Hospizgemeinschaft

Hospizgemeinschaft Ortenau besuchte das „St. Christopher’s Hospice“

In der Hospizgemeinschaft Ortenau, einem Zusammenschluss der ambulanten Hospizgruppen und des stationären Hospizes, engagieren sich rund 160 Ehrenamtliche, die im vergangenen Jahr über 250 Einsätze leisteten. Ein regelmäßiger Austausch ist ihnen dafür sehr wichtig.

Hospizgruppe-London-1Die Hospizgruppe aus der Ortenau mit der leitenden Physiotherapeutin Jenny Taylor vorm Cicely Saunders-Raum des „St. Christopher’s Hospice“ in London.Gerhard Lück

"Wir wollten einmal die Ursprünge der modernen Hospizbewegung von Cicely Saunders kennenlernen", begründet Dorothea Brust-Etzel vom Caritasverband Kinzigtal als Sprecherin der Hospizgemeinschaft die Reise. "Bisher lebten wir ihren Ansatz des selbstbestimmten Lebens, würdevollen Sterbens und des ganzheitlichen Blick auf den Menschen im Alltag vor allem aus ihren Büchern. Jetzt wollten wir sehen, wie das in ihrem Haus umgesetzt wird." Herzlich wurde die Gruppe aus Baden von der leitenden Physiotherapeutin Jenny Taylor in den Räumen des angeschlossenen Schulungszentrums begrüßt. Da sie bereits seit über zwanzig Jahren im "St Christopher’s Hospice" engagiert ist, konnte sie noch einige Zeit mit Cicely Saunders zusammenarbeiten. Wichtig sei der Gründerin immer gewesen, dass das mit vielen Professionen besetzte Team ohne Hierarchien miteinander arbeitet.

Zunächst hatte Saunders in Oxford Philosophie, Politik und Ökonomie studiert. Sie brach mit Beginn des zweiten Weltkrieges das Studium ab, um "etwas Nützlicheres" zu machen und lies sich zur Krankenschwester ausbilden. Nach Kriegsende setzte sie ihr Studium aber fort und schloss es 1947 mit einem Diplom in "Public and Social Adminstration" ab. Die bis dahin bekennende Atheistin fand nach einem evangelikalen Sommercamp zum Christentum, was sich prägend auf ihre Haltung und das weitere Schaffen auswirkte. Im St. Thomas Hospital widmete sie sich Krebskranken und stellte fest, dass diese im Endstadium mit starken Schmerzen nur unzureichend versorgt waren. Ein Patient vermachte ihr sein Vermögen mit der Auflage, ein "Sterbeheim" zu eröffnen. Da sie dazu weitere Qualifikationen brauchte, studierte sie bis 1957 Medizin und brauchte noch bis 1967, um das "St Christopher’s Hospice" zu eröffnen.

Hospizgruppe-London-2Im Garten erklärte die leitende Physiotherapeutin Jenny Taylor (Mitte mit Schal) die Rolle der Natur im Therapieprozess.Gerhard Lück

Heute hat das Hospiz Platz für 48 Gäste und zeichnet sich durch eine große Offenheit aus. Die Ortenauer Besucher waren von den Räumlichkeiten und Zimmern, ihrer Funktionalität und Wärme, begeistert. In einem Fitnessraum gibt es neben Kraftgeräten ein Laufband, im Kreativraum entstehen farbenfrohe Gemälde und im spirituellen Raum ist besonders viel Ruhe zu finden. Das Begegnungszentrum mit Cafeteria steht allen Besuchern offen - und der Garten sei einfach ein Traum, stellten die Besucher aus Baden fest. Hierher werden bei guter Witterung auch Patienten mit ihren Betten geschoben. Silke Bohnert, Hospiz-Koordinatorin in Achern, zeigte sich nach dem Rundgang beeindruckt: "Hier spüre ich überall, wie die Aussage von Saunders ‚Du zählst, weil du bist. Und du wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens eine Bedeutung haben.‘ gelebt wird."

Cicely Saunders entwickelte neue Methoden der Schmerztherapie, zu der auch die regelmäßige Verordnung von Morphium gehörte. Bei ihren Forschungen stellte sie fest, dass dies nicht zur Abhängigkeit führte. Die Befreiung von Schmerzen bei Sterbenden war ihr ein großes Anliegen. Und da für sie Schmerzen aus vier Dimensionen bestehen - physisch, psychisch, sozial und spirituell -, war ihr die interdisziplinäre Betreuung der Menschen so wichtig. Neben der Zusammenarbeit mit den Hausärzten gehörten für sie zum Hospizteam Sozialarbeiter, Seelsorger, Psychiater, Physiotherapeuten, Palliativmediziner und Ehrenamtliche. Überraschend war für die Besucher, dass die Hospizgäste immer mal wieder nach Hause gehen - weil es ihnen besser geht oder sie zu Hause sterben möchten.

Hospizgruppe-London-3Die leitende Physiotherapeutin Jenny Taylor stellte im Schulungszentrum voller Begeisterung die Prinzipien vom „St. Christopher’s Hospice“ vor.Gerhard Lück

Dorothea Brust-Etzel war von der Offenheit des Hauses fasziniert: "Ich fühlte mich hier sehr willkommen. Mich berührte die Intensität des Umgang miteinander und die spürbare Freude der Mitarbeitenden bei der Arbeit." Manfred Scheurer, in Achern als Koordinator engagiert, stellte beim Heimflug aus London fest: "Für mich war der Besuch im Hospiz eine Bestätigung meiner inneren Haltung. Ich wurde in meinem Dienst bestärkt." Und Adelheid Wagner aus Hausach beeindruckten Warmherzigkeit, Ruhe und Atmosphäre, die überall im Haus spürbar seien: "Als Jenny Taylor uns das Konzept erläuterte, spürte ich, dass sie mit Cicely Saunders zusammengearbeitet hat." Eineinhalb Tage hatte die Ortenauer Reisegruppe dann noch Zeit, ein wenig in der Millionenstadt London die gewaltigen Baudenkmäler anzuschauen und sich unters Volk zu mischen. "Beim Abend in einem original Londoner Pub", schwärmt Adelheid Wagner, "konnte ich richtige Engländer kennenlernen."

Fotos: Gerhard Lück